Wie ensteht ein Cover?

Ein Cover sagt viel über ein Buch aus (besonders bei den "Ich-bewerte-ein-Buch-nur-nach-dem-Cover"-Menschen), aber wie entsteht ein Cover überhaupt?

Der Thienemann Verlag was so unglaublich freundlich und hat mir dieser Frage beantwortet.


Wie ein Buchcover beim Thienemann Verlag entsteht


Wenn ein neues Buch in einem Verlag veröffentlicht werden soll, ist einer der ersten Schritte die Gestaltung eines Covers. Dies ist wichtiger, als man zunächst denkt, denn das Buchcover ist neben dem Titel das Erste, was der Kunde und auch der Buchhändler beim Kauf eines Buches wahrnimmt. Erste Ideen dazu stammen aus dem Lektorat. Dort überlegt sich die Lektorin/der Lektor, was für eine Art Covergestaltung am besten zu dem vorliegenden Text passt. Sollte das Cover eine grafische Gestaltung haben, gezeichnet sein oder Fotografien abbilden? Hierbei muss neben dem Inhalt auch immer die entsprechende Zielgruppe beachtet werden. Für welches Alter ist das Buch angedacht? Welche Vorlieben haben Kinder in diesem Alter? Was ist gerade beliebt?

Hat man sich für eine Darstellungsform entschieden, folgt die Überlegung, wer die Gestaltung am besten übernehmen könnte. Hierfür liegt ein Portfolio an Grafikern, Zeichnern und Agenturen bereit, woraus entsprechende Künstler ausgesucht werden können, die dann entweder nach Vorgaben vom Lektor oder völlig frei erste Entwürfe anfertigen. In Ausnahmefällen bringen auch Autoren eigene Vorschläge zur Gestaltung mit ein.

Unabhängig von der Bildgestaltung wird für den Titel, sowie den Autorennamen ein Typograf beauftragt, welcher die Schriftzüge setzt, also gestaltet.

Die vom jeweiligen Künstler angefertigten Entwürfe (in der Regel sind dies 2-6) werden vom Lektor in verschiedenen hausinterne „Runden“ eingebracht und gemeinsam besprochen. Diese Entwürfe werden meistens mit einigen Verbesserungsvorschlägen versehen und dementsprechend nochmals verändert.

Nachdem eine „Patenrunde“ bestehend aus Vertretern der Bereiche Vertrieb, Marketing und Presse ihr Feedback zu den ausgewählten Covern gegeben hat, finden zwei abschließende Konferenzen statt. Die Coverkonferenz, an welcher 2-3 Vertreter aus dem Außendienstbeirat teilnehmen, sowie das verkaufende Personal der einzelnen Verlagsabteilungen (Vertrieb, Marketing, Presse- und Lizenzabteilung), folgt zuerst. Hierbei wird das Cover noch einmal unter verschiedenen vertrieblichen Aspekten betrachtet, wobei natürlich die Einkäufer, also Buchhändler, und Käufer als Endkunden im Vordergrund stehen. Auch der Autor erhält in diesem Stadium die Möglichkeit zu sehen, auf welche Weise sein Text „verpackt“ wird.

Auf der abschließenden Sitzung, der Außendiensttagung, wird das Cover endgültig beschlossen. Bevor nicht die einzelnen Vertreter den Covergestaltungen zustimmen, wird auch nichts gedruckt. Diesen Schritt einzuhalten, ist immer sehr wichtig, denn der Vertreter steht im direkten Kontakt zu den einzelnen Buchhandlungen und Buchhändlern und erhält damit im Gegensatz zu den anderen Verlagsmitarbeitern immer direktes Feedback vom Kunden, auch bezüglich der Gestaltung der Bücher. Nachdem die Vertreter in dieser Sitzung, in welcher das vollständige Verlagsprogramm (dies bedeutet: alle Titel, die im kommenden halben Jahr im Verlag erscheinen sollen) vorgestellt wird, alle Cover „abgesegnet“ haben, werden die Bücher gedruckt und gehen ihren Weg, damit der Kunde am Ende ein fertiges Buch in der Hand halten kann.  

Die Entwicklung eines Buchcovers in Bildern


1. In diesem Ausnahmefall hat die Autorin Kim Winter selbst einen Vorschlag zur Gestaltung des Covers angefertigt.



2. Die ersten beiden Entwürfe der Grafikerin                                                

Hierbei wurde für den ersten Entwurf noch einer der Arbeitstitel verwendet.




 3. Die Gesamtgestaltung des Covers und in diesem Fall des Schutzumschlags inklusive der Umschlagklappe, auf welcher die Autorenvita zu finden ist. Die Umschlagseite 4 (U4) mit dem Kurztext zum Inhalt sowie der ISBN und dem Strichcode sind hier noch nicht eingefügt. In diesem Fall erscheint der Titel als Hardcover mit einem Schutzumschlag. Aus diesem Grund werden nicht nur die Vorder- und Rückseite (U1 und U4) gestaltet, sondern auch  die Klappen mitberücksitigt


4. Proof
Wird in der Herstellung verwendet, um zu sehen, wie die Farben wirken.

 

 
5. Aushänger  
Ist auf dem Originalpapier gedruckt und zeigt vorab den Originalzustand des Covers, oder in diesem Fall des Schutzumschlags an



 6. Papierausdrucke des Umschlags/Covers zur Ansicht für das Lektorat.
                                       











7. Und so sieht das fertige Buch aus


mein Dank gilt dem Thienemann Verlag, die diesen Post möglich gemacht haben, indem sie sich die Mühe gemacht haben, alles so Detailirrt zu beschreiben.

Kommentare:

  1. Wow, das ist ja ein toller Bericht! Ich dachte irgendwie, dass das mit den Covern viel einfacher beschlossen wird (schließlich schaffen es so viele hässliche Cover auf den Markt ._. ), aber der Prozess ist ja mal richtig kompliziert. Bis da mal jeder zufrieden ist :D

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    1. Na ja, paar Cover sind echt hässlich :o ander wiederum echt schöön! :)

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  2. Toller Bericht.
    Sternenstaub hat echt ein TOLLES Cover. :D

    Liebe Grüße
    Mary♥

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    1. Dankeschön! :) Finde ich auch, habe es aber noch nicht im Regeal :/

      Liebe Grüße,
      Jessi

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  3. Echt interessant!
    Da würde ich am liebsten gleich selbst loslegen :D
    Ein Lob an die Graphikerin (:

    viele liebe Knuddegrüße
    Ich (Jaci)

    http://buecher-welten.blogspot.de/

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  4. Wow, das ist aber ein toller Beitrag. Hätte nicht gedacht, das so viele einzelne Schritte nötig sind, aber das Cover ist toll.
    Hab deinen Blog durch Zufall entdeckt und bin direkt Leserin geworden. Magst du auch bei mir vorbeischauen? Ich würde mich total freuen: http://planet-der-buecher.blogspot.de/?m=1
    LG,
    Krypta

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  5. Wie cool!
    Das ist ja richtig klasse erklärt und dargestellt. Sehr interessant! Die frage habe ich mir schon oft gestellt.

    LG

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